Die Fahrradsaison beginnt – und damit auch die Zeit der Online-Bestellungen. Doch was gilt rechtlich, wenn das neue Rad mit Montagefehler ankommt oder die Schaltung nach wenigen Wochen streikt? Dr. Carsten Föhlisch, Verbraucherrechtsexperte bei „Trusted Shops“, erklärt die wichtigsten Rechte beim Fahrradkauf im Netz.
Die Bremse schleift nach der Lieferung. Muss der Händler die Werkstattkosten erstatten?
Föhlisch: In der Regel nicht direkt. Verbraucher haben zunächst einen Gewährleistungsanspruch gegenüber dem Händler – das heißt: Mangel melden und Nacherfüllung verlangen, entweder Reparatur oder Ersatzlieferung. Der Händler darf die gewählte Art aber verweigern, wenn sie unverhältnismäßig ist. Bei einer falsch ausgerichteten Bremse wäre eine komplette Ersatzlieferung meist unverhältnismäßig. Der Händler kann für die Reparatur eine Werkstatt am Wohnort beauftragen – muss es aber nicht zwingend.
Nach vier Wochen funktioniert die Gangschaltung nicht mehr einwandfrei. Gibt es noch Gewährleistung?
Föhlisch: Ja. Zeigt sich innerhalb der ersten zwölf Monate nach Übergabe ein Mangel, gilt grundsätzlich die gesetzliche Vermutung, dass dieser bereits bei Lieferung vorlag. In der Praxis bedeutet das: Verbraucher müssen darlegen, dass ein Mangel vorliegt und wann er aufgetreten ist. Der Händler muss dann gegebenenfalls nachweisen, dass die Ursache erst nach Übergabe entstanden ist – etwa durch unsachgemäße Nutzung.
Gilt das Gewährleistungsrecht auch für gebrauchte Fahrräder vom Online-Händler?
Föhlisch: Ja, auch für gebrauchte Ware gilt das Gewährleistungsrecht. Händler können die Frist bei Gebrauchtwaren allerdings auf ein Jahr verkürzen. Wichtig dabei: Eine Klausel irgendwo in den AGB reicht nicht – die Verkürzung muss gesondert und ausdrücklich vereinbart werden, zum Beispiel über eine nicht vorangekreuzte Checkbox im Bestellprozess.
Was gilt beim E-Bike, wenn der Akku schnell Reichweite verliert?
Föhlisch: Auch bei E-Bikes gilt: Tritt ein Mangel auf, haben Käufer gegenüber dem Händler Gewährleistungsrechte – unabhängig davon, ob das Problem den Akku, die Elektronik oder den Antrieb betrifft. Verbraucher sollten den Mangel dokumentieren und dem Händler die Möglichkeit zur Nacherfüllung geben. Zeigt sich das Problem innerhalb der ersten zwölf Monate, greift grundsätzlich die gesetzliche Vermutung, dass die Ursache bereits bei Übergabe angelegt war. Ob es sich um einen Mangel oder normalen Verschleiß handelt, hängt von Nutzung und Umständen ab.
Darf ich ein online bestelltes Fahrrad probefahren und danach trotzdem zurückschicken?
Föhlisch: Beim Online-Kauf gilt grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Verbraucher dürfen die Ware prüfen – ähnlich wie im stationären Handel. Ein kurzes, vorsichtiges Testen kann deshalb zulässig sein. Wird das Fahrrad jedoch deutlich genutzt – längere Strecken, sichtbare Gebrauchsspuren – kann der Händler bei einem Widerruf Wertersatz verlangen.
Und was ist der Unterschied zwischen Widerruf und Gewährleistung?
Föhlisch: Der Widerruf ist das Recht auf Rückgabe innerhalb von 14 Tagen – auch ohne Angabe von Gründen, also schlicht wenn das Produkt nicht gefällt. Bei starker Nutzung können Abzüge anfallen. Die Gewährleistung greift, wenn die Ware mangelhaft ist – dann hat der Käufer einen Anspruch auf Reparatur oder Ersatz gegenüber dem Händler, unabhängig vom Widerrufsrecht. Beide Rechte stehen nebeneinander und sind klar zu trennen.

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