Hinter jedem ESC-Auftritt steckt eine Bühne, die in wochenlanger Arbeit entsteht. Für den 70. Eurovision Song Contest in Wien hat der ORF das Bühnenkonzept des deutschen Designers Florian Wieder umgesetzt – inspiriert von der Wiener Secession, der 1897 um Gustav Klimt gegründeten Künstlervereinigung, die für das Aufbrechen alter Konventionen steht.
Das Blatt als Herzstück
Das Zentrum der Bühne bildet ein um etwa 90 Grad gewölbter LED-Schirm, der als „Leaf“ bezeichnet wird. Dieser wird von einem spiralförmigen Bogen umschlossen, der musikalische Bewegung und emotionale Verbindung symbolisiert. Im Hintergrund kommt ein Konstrukt aus goldenen Stangen als weiteres Leitmotiv zum Tragen.
Die drei Elemente sind bewusst gewählt: Das Blatt steht als Symbol für Ursprung und Potenzial – ein unbeschriebenes weißes Blatt, auf dem die Musik aller teilnehmenden Länder symbolisch versammelt ist. Der geschwungene Bogen verkörpert Resonanz und Wiener Charme. Das goldene Konstrukt setzt einen bewussten Kontrast zum organischen Blatt und verbindet Kunst mit Funktionalität.
Florian Wieder: Der Mann hinter acht ESC-Bühnen
Der in Los Angeles lebende deutsche Designer Florian Wieder ist bereits zum achten Mal für die ESC-Bühne verantwortlich. Nach 2012, 2015 in Wien, 2018 bis 2020 sowie 2024 und 2025 performen die Acts auch 2026 auf der von ihm gestalteten Stage. Sein Portfolio reicht weit über den Wettbewerb hinaus: Er arbeitet seit 30 Jahren mit internationalen Superstars wie Beyoncé, Robbie Williams, U2, Adele und Ed Sheeran zusammen. Für internationale TV-Produktionen gestaltet er regelmäßig die MTV Video Music Awards und die MTV Europe Music Awards.
Green Room als Wiener Kaffeehaus
Eine besondere Note erhält der ESC 2026 im Green Room – jenem Bereich, in dem die Künstler während der Live-Shows auf ihren Auftritt und das Abstimmungsergebnis warten. Der Green Room ist einem traditionellen Wiener Kaffeehaus nachempfunden und über einen Steg direkt mit der Bühne verbunden – was einen „Winners Walk“ des Siegers durch das Publikum ermöglicht.
Hollywood-Regie und Arri-Kameras zum ersten Mal beim ESC
Die Regie übernehmen Michael Kögler, unter anderem bekannt vom Hahnenkammrennen in Kitzbühel und dem ESC 2015 in Wien, und Robin Hofwander. Ihr Anspruch: Der ESC 2026 soll sich anfühlen wie ein Kinofilm. Zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs kommen Arri-Kameras zum Einsatz. Dasselbe Kamerasystem wurde zuletzt für Konzertproduktionen von Coldplay, Taylor Swift und Billy Joel verwendet.
BAFTA-prämiertes Lichtdesign
Tim Routledge, unter anderem verantwortlich für den ESC 2023 in Liverpool und den ESC 2025 in Basel, zeichnet für die Lichtshow verantwortlich. Für seine Arbeit in Liverpool wurde er mit einem BAFTA Award ausgezeichnet.
Musik von Mozart bis zur Gegenwart
Die ESC-Signation wird 2026 von Dorothee Freiberger, unter anderem aus dem Produktionsteam von „Rise Like a Phoenix“ – Conchita Wursts Gewinnersong von 2014 – und der Signation des Wiener ESC 2015, sowie Martin Gellner, bekannt von „Hans Zimmer Live“, komponiert. Die beiden nehmen ausgewählte Themen aus Mozarts „Zauberflöte“ auf und verbinden Klassisch-orchestrales mit aktuellen Musikelementen. Gespielt wird die Komposition vom ORF Radio-Symphonieorchester Wien.

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