Mit den ersten warmen Tagen beginnt die Pollensaison – und damit eine zusätzliche Belastung im Straßenverkehr. Blütenstaub setzt sich auf Scheiben, Lack und Lüftungseinlässen ab, gelangt über Kleidung in den Innenraum und kann dort immer wieder aufgewirbelt werden. Wer unter Heuschnupfen leidet, sollte zudem die eigene Fahrtüchtigkeit kritisch einschätzen.
Wenn die Allergie zur Gefahr wird
Niesattacken, tränende Augen und Konzentrationsprobleme klingen harmlos – im Straßenverkehr können sie es nicht sein. Während eines Niesanfalls ist die Sicht kurzzeitig komplett eingeschränkt. Bei Tempo 100 legt ein Auto in einer Sekunde rund 28 Meter zurück. Auch einige Antihistaminika können die Reaktionsfähigkeit verringern – besonders ältere Wirkstoffe. Wer neu auf ein Medikament eingestellt ist, sollte dessen individuelle Wirkung kennen, bevor er sich ans Steuer setzt.
Wie Pollen ins Auto kommen
Pollen gelangen nicht nur über die Lüftung ins Fahrzeug. Sie haften an Kleidung, Haaren oder Tierfell und werden beim Einsteigen in den Innenraum getragen. Auch der Stellplatz spielt eine Rolle: Wer unter blühenden Bäumen oder neben Wiesen parkt, findet schnell eine sichtbare Pollenschicht auf Dach und Scheiben – die sich beim Öffnen der Türen im Innenraum verteilen kann.
Praktische Gegenmaßnahmen: nicht direkt unter stark blühenden Bäumen parken, bei hoher Belastung die Seitenfenster geschlossen halten und grobe Ablagerungen vor dem Einsteigen entfernen. Wetter-Apps mit Polleninformationen helfen, stark belastete Tage besser einzuplanen.
Innenraum und Scheiben regelmäßig reinigen
Im Fahrzeuginneren setzen sich Pollen auf Armaturen, Sitzen und Teppichen ab und werden bei jeder Fahrt erneut aufgewirbelt. Regelmäßiges feuchtes Abwischen der Armaturen, Absaugen der Sitze und Reinigen der Fußmatten senkt die Belastung spürbar.
Auf der Windschutzscheibe bildet Blütenstaub in Verbindung mit Feuchtigkeit einen schmierigen Film – besonders gefährlich bei Gegenlicht oder tief stehender Sonne. Wichtig: Pollen niemals trocken wegwischen. Die feinen Partikel können zusammen mit Schmutz über das Glas reiben und Schlieren oder feine Kratzer hinterlassen. Besser: Ablagerungen zunächst mit Wasser lösen, dann wischen. Ausreichend Scheibenwischwasser mit Reinigungszusatz gehört in dieser Jahreszeit zur Grundausstattung. Auch die Wischerblätter sollten auf Verschleiß und Schlierenbildung geprüft werden.
Ein oft vergessener Tipp: Auch die Innenseite der Scheiben gelegentlich reinigen. Ein leichter Film aus Staub und Ablagerungen kann bei Feuchtigkeit und Gegenlicht die Sicht zusätzlich verschlechtern.
Innenraumfilter: Der unterschätzte Schutz
Über Lüftung und Klimaanlage strömt Außenluft ins Fahrzeug – und mit ihr Pollen, Staub und Feinstaub. Der Innenraumfilter fängt einen Großteil dieser Partikel ab. Ist er stark verschmutzt, sinkt die Filterleistung deutlich. Für Allergiker kann das die Fahrt spürbar belasten.
Empfehlenswert ist ein Filterwechsel einmal jährlich vor Beginn der Pollensaison, je nach Nutzung auch nach rund 15.000 bis 30.000 Kilometern. Zur Auswahl stehen Partikelfilter, Aktivkohlefilter und – je nach Fahrzeugmodell – HEPA-Filter mit besonders hoher Filterwirkung. Der Austausch ist bei vielen Modellen mit etwas Geschick selbst möglich, häufig sitzt der Filter hinter dem Handschuhfach oder im Motorraum nahe der Windschutzscheibe. Wichtig: Der Innenraumfilter gehört nicht zur Hauptuntersuchung – Fahrzeughalter müssen die Wartung selbst im Blick behalten.
Klimaanlage richtig einsetzen
Bei hoher Pollenbelastung kann es helfen, zeitweise die Umluftfunktion zu aktivieren, um weniger pollenhaltige Außenluft hereinzuziehen. Dauerhaft sollte Umluft jedoch nicht eingeschaltet bleiben, damit die Scheiben nicht beschlagen. Kurz vor Fahrtende empfiehlt es sich, die Kühlfunktion auszuschalten und das Gebläse noch einige Minuten weiterlaufen zu lassen – so trocknet der Verdampfer ab und Geruchsbildung wird vorgebeugt.
Muffiger Geruch aus der Lüftung, schnell beschlagende Scheiben oder ein schwächerer Luftstrom sind Warnsignale, die auf einen verschmutzten Filter oder Feuchtigkeit im System hindeuten können.

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