Die meisten Menschen in Deutschland halten ein gesundes Leben für wichtig – handeln aber selten danach. Das zeigt eine repräsentative „forsa“-Umfrage im Auftrag der „mkk – meine krankenkasse“, für die im Januar 2026 gut 3.000 Erwachsene befragt wurden. Obwohl viele Befragte angeben, maßvoll zu trinken, ausreichend Sport zu treiben und nicht zu rauchen, bewerten nur 56 Prozent ihren körperlichen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut.
Beim psychischen Wohlbefinden fällt das Bild noch nüchterner aus: Nur zwei Drittel beschreiben ihren seelischen Zustand als gut (49 Prozent) oder sehr gut (17 Prozent).
Präventionskurse: Angebot vorhanden, Nutzung minimal
Gesetzliche Krankenkassen stellen nach eigenen Angaben rund 115.000 qualitätsgeprüfte Präventionskurse bereit. Genutzt werden sie kaum: Nur zehn Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr einen Kurs vor Ort besucht, neun Prozent einen Online-Kurs oder eine Gesundheits-App ihrer Kasse verwendet. Als Hindernisse nennen 32 Prozent mangelnde Information über das Angebot, 25 Prozent fehlende Zeit und 21 Prozent eine Abneigung gegen Gruppenformate.
Mehr Zuspruch fänden kostenfreie Kurse (42 Prozent), flexible Zeiten (37 Prozent) und persönliche Betreuung (20 Prozent).
Datenteilung: Mehrheit signalisiert Bereitschaft
Damit Kassen personalisierte Präventionsprogramme anbieten könnten, benötigen sie Gesundheitsdaten. Laut Umfrage wären gut sieben von zehn Befragten grundsätzlich zur Datenweitergabe bereit – 52 Prozent allerdings nur, wenn sie selbst entscheiden dürfen, welche Daten ausgewertet werden. 20 Prozent würden einen uneingeschränkten Zugriff erlauben.
Andrea Galle, Vorständin der mkk, sieht darin einen politischen Auftrag: „Hierfür muss der Gesetzgeber die Nutzung solcher Daten ermöglichen, denn bisher ist die individuelle Datennutzung nur sehr eingeschränkt erlaubt.“
Junge Menschen fordern mehr Staat
67 Prozent der Befragten sehen staatliche Institutionen wie Gesundheitsministerien in besonderer Verantwortung für Gesundheitsförderung – bei den 18- bis 29-Jährigen steigt dieser Wert auf 80 Prozent. 69 Prozent sprechen sich für eine stärkere Verankerung von Gesundheitsförderung in der Bildungspolitik aus.
Prävention vs. Behandlung: Ein Missverhältnis in Zahlen
Die Gesamtausgaben im deutschen Gesundheitssystem schätzt das Statistische Bundesamt für 2024 auf 538,2 Milliarden Euro. Dem gegenüber stehen laut mkk lediglich 686 Millionen Euro, die gesetzliche Krankenkassen in Gesundheitsförderung und Prävention investieren.
Die volkswirtschaftlichen Kosten vermeidbarer Risikofaktoren beziffert der „Public Health Index“ auf 97 Milliarden Euro für Tabakkonsum, rund 63 Milliarden Euro für Adipositas und rund 57 Milliarden Euro für Alkohol. Eine Studie der Technischen Universität München kommt zu dem Schluss, dass eine Zuckersteuer in den kommenden 20 Jahren bis zu 244.000 Neuerkrankungen an Typ-2-Diabetes verhindern und volkswirtschaftliche Kosten von bis zu 16 Milliarden Euro einsparen könnte.
Methodik
Die forsa-Umfrage wurde zwischen dem 5. und 14. Januar 2026 als repräsentative Online-Erhebung unter 3.008 deutschsprachigen Erwachsenen durchgeführt. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei maximal 2,5 Prozentpunkten.

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